St. Laurent Wein entdecken - Herkunft, Geschmack und Speisen

16. Juni 2026

Zwei Flaschen Wein und zwei Gläser mit Sekt vor prismatischen Spiegeln.

Inhaltsverzeichnis

Ein Rotwein mit dunkler Farbe, Wildkirschduft und spürbarer Frische kann aus einer in Deutschland eher kleinen, aber anspruchsvollen Rebsorte stammen. St. Laurent verbindet burgundische Eleganz mit kräftiger Frucht und wird deshalb oft unterschätzt. Ich zeige, woher die Rebe kommt, wie ihr Wein schmeckt, worauf es im Anbau ankommt und zu welchen Speisen er besonders gut passt.

St. Laurent verbindet dunkle Frucht mit burgundischer Finesse

  • Herkunft: Die genaue Heimat liegt vermutlich im Elsass oder in einer anderen französischen Region.
  • Aromatik: Typisch sind Wildkirsche, Holunder, Cassis, Pflaume und gelegentlich Bitterschokolade.
  • Anbau: In Deutschland wächst die Sorte vor allem in Rheinhessen und der Pfalz.
  • Stil: Der Wein reicht von fruchtig-saftig bis kräftig, tanninreich und im Holzfass gereift.
  • Speisen: Besonders passend sind Wild, Rind, Ente, Pilzgerichte und reifer Käse.

St. Laurent ist eine eigenständige Rebsorte mit bewegter Geschichte

St. Laurent, auch Sankt Laurent, Saint Laurent oder Laurenzitraube genannt, gehört zur weit verzweigten Burgunderfamilie. Lange wurde die Sorte teilweise dem Spätburgunder zugerechnet, inzwischen gilt sie als eigenständige Rebe. Ihre genaue Herkunft ist trotzdem nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich liegen ihre Wurzeln im Elsass oder in einer anderen französischen Weinbauregion.

Im 19. Jahrhundert gelangte die Rebe nach Deutschland. Dem Weinbaupionier Johann Philipp Bronner wird zugeschrieben, dass er Pflanzmaterial aus Frankreich einführte und damit ihre Verbreitung im deutschen Sprachraum förderte. Später geriet sie beinahe in Vergessenheit. Erst durch Erhaltungszüchtung und besseres Rebmaterial fand sie wieder einen festen Platz in einzelnen deutschen Weinbaubetrieben.

Der Name bezieht sich wahrscheinlich auf den heiligen Laurentius und den 10. August. Um diese Zeit beginnen sich die Beeren häufig zu verfärben und geschmacklich zu entwickeln. Ganz sicher ist diese Erklärung nicht, sie passt aber auffallend gut zum frühen Reifeverhalten der Sorte.

So schmeckt der Wein im Glas

Ein guter St. Laurent fällt zuerst durch seine kräftige rubin- bis dunkelrote Farbe auf. In der Nase zeigen sich häufig Wildkirsche, Sauerkirsche, Holunder und schwarze Beeren. Je nach Reifegrad kommen Pflaume, Cassis, Gewürze oder eine leicht schokoladige Note hinzu.

Merkmal Typischer Eindruck Was ihn beeinflusst
Farbe Tiefes Rubinrot bis Dunkelrot Reifegrad, Ertrag und Ausbau
Duft Wildkirsche, Holunder, Cassis, Pflaume Jahrgang und Erntetermin
Geschmack Fruchtig, frisch, saftig und kräftig Säure, Alkohol und Extrakt
Gerbstoff Spürbar, aber bei guter Reife meist gut eingebunden Maischekontakt und Reifezeit
Holzfass Mehr Würze, Struktur und Röstaromen Fassgröße, Toasting und Dauer des Ausbaus

Junge Weine können eine lebendige Säure und deutliches Tannin zeigen. Das ist kein Fehler, sondern Teil ihres Charakters. Ich lasse kräftige Exemplare deshalb gern 30 bis 60 Minuten atmen, bevor ich sie beurteile. Fruchtbetonte Weine aus dem Stahltank wirken dagegen oft früher zugänglich.

Das Deutsche Weininstitut beschreibt die Sorte als dunkel, frisch und fruchtig mit Anklängen an Wildkirsche und Holunder. In der Praxis entscheidet der Ausbau stark darüber, ob eher die saftige Beerenfrucht oder die würzige, komplexe Seite im Vordergrund steht.

Im Weinberg entscheidet die Lage über den Charakter

St. Laurent reift vergleichsweise früh. Das hilft in kühleren Regionen, bringt aber ein eigenes Risiko mit sich: Der frühe Austrieb macht die Rebe anfällig für Spätfröste. Deshalb sind geschützte mittlere Lagen günstiger als kalte Mulden oder frostgefährdete Tallagen.

Die Rebe bevorzugt häufig kalkhaltige Böden, braucht aber zugleich eine gute Wasserversorgung. Tiefe, nicht zu trockene Böden helfen, die Entwicklung in heißen Sommern auszugleichen. Während der Blüte kann schlechtes Wetter zudem zu Verrieselung führen. Dabei werden weniger Beeren ausgebildet, was den Ertrag schwanken lässt.

In Deutschland konzentriert sich der Anbau vor allem auf Rheinhessen und die Pfalz. Die zuletzt ausgewiesene Rebfläche liegt bei rund 560 Hektar, wobei beide Regionen den weitaus größten Anteil stellen. Weltweit hat St. Laurent eine noch größere Bedeutung in Österreich und Tschechien.

  • Gute Lage: warm, geschützt und ausreichend durchlüftet
  • Passender Boden: kalkhaltig, tiefgründig und nicht dauerhaft trocken
  • Wichtige Arbeit: Ertrag regulieren und den optimalen Erntezeitpunkt treffen
  • Risiko: Spätfrost, Verrieselung und bei feuchter Witterung Fäulnis

Frühe Reife bedeutet also nicht automatisch einfachen Anbau. Gerade diese Mischung aus Potenzial und Empfindlichkeit macht die Sorte für viele Winzer interessant. Bei niedrigen Erträgen und sorgfältiger Selektion kann sie konzentrierte, langlebige Rotweine hervorbringen.

Welche Speisen und welcher Trinkmoment passen

Die Kombination aus Frucht, Säure und Gerbstoff macht St. Laurent zu einem vielseitigen Essensbegleiter. Leichtere, saftige Varianten passen zu Geflügel oder Pilzen. Kräftige, im Holzfass ausgebaute Weine brauchen dagegen Gerichte mit Röstaromen und deutlich mehr Geschmack.

  • Wild: Reh, Hirsch und Wildschwein greifen die dunkle Beerenfrucht auf.
  • Rind: Kurzgebratenes oder geschmortes Rind puffert das Tannin angenehm ab.
  • Ente: Die Frische des Weins passt zu knuspriger Haut und fruchtigen Saucen.
  • Pilze: Steinpilze, Waldpilze und Linsen bringen erdige Noten ins Spiel.
  • Käse: Reifer Bergkäse oder würziger Hartkäse harmonieren mit kräftigen Jahrgängen.

Ich serviere die meisten Flaschen bei 14 bis 16 Grad Celsius. Zu warm wirkt der Alkohol schnell dominant, zu kalt verschließen sich Frucht und Duft. Einen einfachen, fruchtigen Jahrgang kann man direkt einschenken; einen tanninreichen oder im Holz gereiften Wein würde ich etwas früher öffnen.

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Und was ist mit St. Laurent als Sekt

Im Handel begegnet die Sorte deutlich häufiger als still ausgebauter Rotwein denn als Sekt. Eine feinperlige Variante kann interessant sein, wenn Frische und rote Beerenaromen im Mittelpunkt stehen. Sie bleibt jedoch eine Nischenerscheinung und ist nicht der typische Ausdruck dieser Rebe.

Falls eine Sektversion angeboten wird, würde ich sie gut gekühlt bei etwa 8 bis 10 Grad Celsius trinken. Dazu passen kalte Platten, Geflügelterrinen oder milde Hartkäse besser als sehr schwere Schmorgerichte.

So wähle ich eine passende Flasche aus

Beim Kauf achte ich zuerst auf den gewünschten Stil und erst danach auf Schlagworte wie Barrique oder alte Reben. Nicht jeder kräftige Wein ist automatisch besser. Gerade bei St. Laurent kann ein zu starker Holzeinsatz die charakteristische Kirschfrucht überdecken.

Stil Woran erkennbar Für wen geeignet
Fruchtbetont Stahltank, klassischer Ausbau, moderate Reife Für den unkomplizierten Genuss und leichte Küche
Kräftig und würzig Holzfass, kräftige Farbe, höherer Extrakt Für Wild, Rind und kräftige Käse
Reif und komplex Lagenwein, alte Reben oder längere Flaschenreife Für besondere Mahlzeiten und ruhiges Verkosten

Im Vergleich zum Spätburgunder wirkt St. Laurent oft dunkler und würziger, während Spätburgunder stärker von roten Beeren, feiner Säure und filigranem Tannin lebt. Gegenüber Zweigelt zeigt St. Laurent meist mehr Gerbstoff und eine burgundischere Anmutung, während Zweigelt häufig früher zugänglich und sehr saftig wirkt.

Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Nicht nur auf die Rebsorte schauen. Jahrgang, Ertrag, Lage, Ausbau und Reife des einzelnen Weins können den Geschmack stärker verändern als der Name auf dem Etikett. Wer eine besonders fruchtige Flasche möchte, greift zu einem jungen, wenig holzbetonten Wein. Für Tiefe und Lagerpotenzial lohnt sich ein sorgfältig gereiftes Exemplar aus guter Lage.

Warum diese kleine Rebsorte auf den deutschen Tisch gehört

St. Laurent ist keine Massenrebe, sondern eine Sorte für Winzer, die im Weinberg genau arbeiten und den richtigen Standort kennen. Ihre Stärke liegt in der Verbindung aus dunkler Frucht, frischer Säure und kräftiger Struktur.

Wer deutsche Rotweine jenseits von Spätburgunder kennenlernen möchte, findet hier eine überzeugende Alternative. Ich würde mit einem fruchtbetonten Wein aus der Pfalz oder aus Rheinhessen beginnen und später eine im Holzfass gereifte Flasche danebenstellen. Der direkte Vergleich zeigt am besten, wie vielseitig diese besondere Rebsorte sein kann.

Häufig gestellte Fragen

Die genaue Herkunft ist nicht abschließend geklärt. Vermutlich liegen die Wurzeln im Elsass oder in einer anderen französischen Weinbauregion. Im 19. Jahrhundert gelangte die Rebe durch Johann Philipp Bronner nach Deutschland.

Typisch sind eine kräftige rubin- bis dunkelrote Farbe sowie Aromen von Wildkirsche, Sauerkirsche, Holunder, Cassis und Pflaume. Je nach Ausbau wirkt der Wein fruchtig und saftig oder kräftig, tanninreich und würzig mit möglichen Holz- und Schokoladennoten.

Der Schwerpunkt des deutschen Anbaus liegt in Rheinhessen und der Pfalz. Die Rebe bevorzugt warme, geschützte und gut durchlüftete Lagen sowie kalkhaltige, tiefgründige Böden. Wegen des frühen Austriebs besteht in frostgefährdeten Tallagen ein erhöhtes Spätfrostrisiko.

Leichtere Varianten harmonieren mit Geflügel und Pilzgerichten. Kräftige, im Holzfass gereifte Weine passen besonders gut zu Wild, Rind, Ente sowie reifem Berg- und Hartkäse. Serviert wird der Rotwein meist bei 14 bis 16 Grad Celsius.

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Ilona Langer

Ilona Langer

Mich fasziniert seit jeher die Vielfalt und Tiefe regionaler Genusserlebnisse, von den versteckten kulinarischen Schätzen bis hin zum authentischen Handwerk, das unsere Heimat prägt. Mein Name ist Ilona Langer und ich beschäftige mich seit elf Jahren intensiv mit diesen Themen. Auf heimarkt-regional.de teile ich meine Entdeckungen und mein Wissen über die regionalen Besonderheiten, die den Gaumen erfreuen und das Herz erwärmen. Ich lege Wert darauf, fundierte Informationen zu recherchieren und verständlich aufzubereiten, damit Sie die authentischen Produkte und die Menschen dahinter besser kennenlernen können. Mein Ziel ist es, Ihnen stets nützliche und verlässliche Einblicke in die Welt der regionalen Kulinarik und des Handwerks zu bieten.

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